Bild: Fraktion Grüne im Landtag von Baden-Württemberg

Corona-Brief III

Asperg, 20. April 2020
Liebe Freundinnen und Freunde,
die sechste Woche im Homeoffice, die sechste Woche ohne echte soziale Kontakte. So hatte ich mir mein Leben nie vorgestellt. Und über allem steht die Frage im Raum, wie lange wird dieser Zustand, in dieser oder einer bald etwas abgemilderten Form, noch andauern!
Dabei müssen wir uns immer sagen, verglichen mit all den Aktiven in den Kranken- und Pflegeberufen geht es den meisten von uns immer noch sehr gut, unsere psychische Belastung ist ganz bestimmt eine andere. Und wir sollten nicht vergessen, wie viele alte Menschen seit Wochen niemanden mehr sehen können, die nicht einmal ihr Haus verlassen sollen, dürfen oder können. Von den Menschen, die jetzt um ihre Existenz bangen müssen oder deren Lebenswerk in Trümmern liegt, ganz zu schweigen.
Die meisten von uns können sich zumindest in der Natur frei bewegen. Vielleicht mehr als in normalen Zeiten. Und Gottseidank haben wir seit Wochen meistens strahlenden Himmel und wirklich blühende Landschaften.
Diese Woche tagen zum ersten Mal wieder der Umwelt- und der Bildungsausschuss. Beide Termine, die normalerweise den ganzen Tag mit Sitzungen ausfüllen. Im Umweltbereich sieht dies folgenermaßen aus: interne Sitzung des Arbeitskreises Umwelt der Grünen, dann gemeinsame Sitzung mit dem Umweltministerium, dann gemeinsame Sitzung mit dem AK Umwelt der CDU und nachmittags dann die Sitzung des gesamten Ausschusses. Mal sehen, wie sich dies mit Videokonferenzen anlässt.
Die Entscheidungen, die von den Regierungen derzeit getroffen werden müssen, finden immer im Spannungsfeld der Ratschläge der Wissenschaft und den Wünschen aus der Wirtschaft und der Bevölkerung und damit auch der eigenen Wünsche statt. Das Helmholtz-Institut schlägt mittlerweile vor, einen kompletten Shutdown für vier bis fünf Wochen durchzuführen. Dann hätten wir das Virus im Griff. Aber würde dies unsere Gesellschaft akzeptieren?! Bisher gehen fast alle sehr geduldig und verantwortungsvoll mit der surrealen Situation um, aber wie lange hält dies noch an? Viele müssen schon auf manches verzichten und auch der Pfingsturlaub scheint dem Virus zum Opfer zu fallen.
Daher höre ich auch immer öfter, man solle, da das Virus eh noch lange da sein wird, eine größere Ausbreitung in Kauf nehmen. Von dem raten aber insbesondere all diejenigen ab, die in Pflegeberufen arbeiten. Dies könne sich bei einer Verbreitung wie in Italien schnell zu einer völligen Überforderung des Gesundheitssystems führen.
Wie allgemein bekannt, hat der Kreis Ludwigsburg eine Partnerschaft mit der Region Bergamo. Einige Prominente aus Politik, Sport, Kultur und Medien hatten in der vorletzten Ausgabe der „ZEIT“ einen Spendenaufruf für das dortige Krankenhaus veröffentlicht. Auf meinen Vorschlag werden wir als Grünen-Kreistagsfraktion uns daran beteiligen. Dies ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber wir wollten nicht nur Beifall geben. Es ist aber, wie ich schon mal geschrieben habe, dringend notwendig, dass die Europäische Union Italien und Spanien hilft, die Krise zu überwinden. Wenn sich die Europäische Idee auf den Binnenmarkt beschränkt, der hilft, dass möglichst viel Geld nach Deutschland fließt, dann ist die Europäische Idee bald tot! Ein Interview mit Daniel Cohn-Bendit auf SWR2 zu diesem Thema möchte ich empfehlen: https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/daniel-cohn-bendit-angela-merkel-und-olaf-scholz-muessen-zu-europa-jetzt-farbe-bekennen-100.html
Da trifft es sich gut, dass der Rektor des Asperger Friedrich-List-Gymnasiums Jürgen Stolle und ich beschlossen hatten, trotz der offiziellen Absage des Kultusministeriums den „Europatag“ an den Schulen am kommenden Montag doch stattfinden zu lassen. Logischerweise als Videokonferenz! Diskussionen in Schulen haben mir seit jeher großen Spaß gemacht, denn es ist immer interessant zu hören, wie die Teens in unserem Land ticken, welche Sorgen sie haben und wie ihre Ideen für die Welt von morgen sind.
Zurecht wird in vielen Medien immer wieder darauf hingewiesen, dass Pandemien auch eine Folge der beispiellosen Zerstörung von Lebensräumen, beispielsweise im Amazonasgebiet, und des Klimawandels sind. Deshalb arbeiten wir mit Hochdruck daran, wie wir uns dieser Themen bald wieder verstärkt annehmen werden. Einen aktuellen Antrag von mir zum Thema Klimaschutz habe ich beigefügt.
Auch der „After Homeoffice Apero“ wird diese Woche wieder stattfinden. Dieses Mal mit dem Schauspieler Thomas Weber aus Spiegelberg, der dort seit vielen Jahren erfolgreich das Theater „Kabirinett“ führt. Bekannt ist er auch durch seine (ausverkauften!) Auftritte im Ludwigsburger Schloss und beim Bürgertheater in Ludwigsburg.
Mittwoch, 22.4.2020, 18:00 – 19:30 Uhr. Ich bitte um eine schriftliche Anmeldung unter juergen.walter@gruene.landtag-bw.de. Wir werden dann die Zugangsdaten zuschicken. Dies müssen wir machen, um einen Überblick über die Anzahl der Teilnehmer*innen zu bekommen. Ihr wisst ja, Deutschland ist nicht so richtig in der Digitalisierung angekommen. Über eine rege Teilnahme würde ich mich sehr freuen!
Da die Buchhandlungen wieder geöffnet haben, können sich alle ab sofort wieder mit Lesestoff ausstatten und – auch seit heute wieder – auf dem Nachhauseweg noch ein Eis essen. Und hat uns nicht schon Günter Grass gelehrt, dass der Fortschritt eine Schnecke ist!
Ich wünsche allen Leser*innen meines Rundbriefs alles Gute, bleibt gesund und genießt das schöne Wetter!

Verwandte Artikel