Stadtbahntheater erinnert mehr und mehr an die „Seehoferspiele“ in Berlin

Stuttgart/Ludwigsburg. Die weiterhin unversöhnlich gegenüber stehenden Positionen von Landrat Rainer Haas und Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec entwickeln sich immer mehr zu einem Ärgernis für die Bevölkerung, so die beiden Grünen-Landtagsabgeordneten Jürgen Walter und Daniel Renkonen. „Man gewinnt geradezu den Eindruck, die „Seehoferspiele“ in Berlin würden nun auch im Kreis ausgetragen“, klagen die beiden Politiker. Nach dem jahrelangen Hickhack sei es nun endlich an der Zeit, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die sowohl den Interessen Ludwigsburgs als auch den Interessen des Kreises und der benachbarten Kommunen dienten. Die zahlreichen Kommunen, die eine Stadtbahnverbindung anstreben, sowie die positiven Signale aus dem Hause Bosch böten eine einmalige Chance, im Kreis Ludwigsburg einen qualitativ hochwertigen schienengebundenen Nahverkehr einzurichten. „Es dürfte allerdings auch jedem einleuchten, dass eine Lösung ohne Ludwigsburg nicht die erste Wahl ist. Denn gerade Ludwigsburg wird vom Individualverkehr überrannt“, betonen Walter und Renkonen. Deshalb sei es aber notwendig, dass man darauf verzichte, seine eigene Position zum einzig selig machenden Dogma zu erheben und im Gegenteil dafür Sorge zu tragen, möglichst schnell eine Stadtbahn auf das Gleis zu stellen.

Es reiche nicht mehr, die jeweils von der Gegenseite ins Spiel gebrachten Systeme pauschal abzulehnen. Vielmehr sei es wichtig, nun endlich mit Kompromissen den gordischen Knoten zu durchschlagen. „Es ist doch klar geworden, dass außerhalb des Ludwigsburger Rathauses niemand BRT-Busse möchte und gleichzeitig in Ludwigsburg eine Stadtbahn in der Hochflurvariante nicht durchsetzbar ist. Daher muss man sich eben auf ein anderes System einigen“, sagte Jürgen Walter. Auch sollte ehrlich darüber informiert werden, wie lange eine Reaktivierung der Bahnstrecke von Ludwigsburg nach Markgröningen dauern werde. Schon allein aufgrund von notwendigen Baumaßnahmen sei auch nach Meinung von Experten des baden-württembergischen Verkehrsministeriums ein Planfeststellungsverfahren unbedingt notwendig. „Üblicherweise dauert so ein Verfahren fünf Jahre“, erklärten die beiden Abgeordneten. Auch die zusätzlichen Kosten, die durch Tunnelbauten entstünden, müssten offen diskutiert werden.

Ansonsten würden sich wieder die Kräfte durchsetzen, die seit 25 Jahren die Reaktivierung der Bahn zwischen Ludwigsburg und Markgröningen verhindern. Dies sei aber die schlechteste aller Varianten. Seit einem Vierteljahrhundert wird über die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen diskutiert. Heute sind die Busse zwischen Markgröningen und Ludwigsburg so schnell wie die „Bimmelbahn“ vor hundert Jahren.  Trotzdem ist in all den Jahren nichts geschehen. Wer die Strecke entlang läuft, wird sehen, dass die Natur schneller und effektiver als die zuständigen politischen Gremien gearbeitet habe. Die Lösung der Verkehrsprobleme könne nun nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden. Die Diskussion um Fahrverbote zeige einmal mehr, dass man mehr und mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern müsse. Dazu wäre ein Stadtbahnkonzept für den Kreis Ludwigsburg eine passende Antwort. „In dieser Frage können sich Herr Haas und Herr Spec aber nur gemeinsam ein Denkmal bauen. Wir hoffen, dass sich diese Erkenntnis auch bei ihnen bald durchsetzen wird“, erklärte der Verkehrsexperte Renkonen abschließend.

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